Pirna, eine idyllische Stadt an der Elbe mit historischem Stadtkern, durch den Einheimische sowie Touristen schlendern. Sie sehen sich die angepriesenen Waren in den Schaufenstern an. Anschließend setzen sie sich in eines der zahlreichen Cafés und unterhalten sich über alltägliche Dinge des Lebens. Ziemlich intakt das alles. Wer ahnt da, dass nur wenige Kilometer entfernt Menschen unter Bedingungen leben, die jeder Vorstellung eines würdigen Lebens widersprechen?
Am Rande der Eröffnung des NPD- Bürgerbüros des Landtagsabgeordneten Rene Despang kam es am Abend des 31. Mai 2007 gegen 18.30 Uhr zu einem Angriff von Neonazis auf das linke Wohn- und Kulturprojekt Robert- Matzke- Straße 16 in Dresden- Pieschen. Während auf der Osterbergstraße 14 etwa 150 Menschen friedlich gegen die Eröffnung des neuen NPD- Bürgerbüros in Dresden- Pieschen demonstrierten, zogen etwa 20 Neonazis vor die Robert- Matzke- Straße 16. Das linke Wohn- und Kulturprojekt mit dem Pieschener Umsonstkino RM 16 befindet sich nur 250 Meter vom neuen NPD- Bürgerbüro entfernt. Wenige Meter von dem Wohn- und Kulturprojekt entfernt rissen die Neonazis Pflastersteine aus der Fahrbahn und brüllten, mit Flaschen und Steinen bewaffnet, fremdenfeindliche Parolen. Nachdem ein Teil der DemonstrantInnen aus der Osterbergstraße zur Robert- Matzke- Straße lief entfernten sich die Neonazis in Richtung Leipziger Straße/Elbufer. Der Polizei gelang es nur von wenigen der gewaltbereiten Neonazis die Personalien aufzunehmen. Der Angriff der Neonazis zeigt was die Anwesenheit eines NPD- Bürgerbüros in Dresden- Pieschen bedeutet.
Auch dieses Jahr nahmen wieder etwa 400 Menschen am Pfingstcamp im tschechischen Srbska Kamenice teil. Das Camp, welches zum 9. Mal stattfand, stand unter dem Motto "Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt". [img align=right]http://kulturhaus-pirna.de/uploads/photos2/news/2007/vortrag-camp.jpg[/img]Ein reichhaltiges Angebot an Seminaren und sonstigen Freizeitangeboten sorgten für ein abwechslungsreiches und informatives Wochenende. Die Seminare waren verschiedensten Themen wie z.B. Globalisierung, Antifaschismus, Überwachung und Protest gewidmet; darunter befanden sich auch 4 Vorträge unseres Vereines. Interessierte konnten den Seminaren "Nazistrukturen in Sachsen", "Rechter Lifestyle und Nazijugendkulturen", "Gegenstrategien, Chancen alternativer Jugendarbeit" und "No-Go-Areas und gesellschaftliche Verankerung" lauschen. Ein Highlight war der Besuch der Rabsteiner Fabriken. Mitte des 19.Jahrhunderts baute Franz Preidl u.a. in Janska Fabrikgebäude, die als Textilspinnereien genutzt wurden. Während des Zweiten Weltkrieges wurde in dem Fabrikkomplex Rüstungsproduktion betrieben. Um die Produktion zu steigern, ließen die Deutschen Kriegsgefangene und Häftlinge aus dem KZ-Flossenbürg unterirdische Stollen in den Sandstein schlagen. Dabei kamen viele Menschen ums Leben. Der Geschichte der unterirdischen Fabriken ist eine sehenswerte Ausstellung gewidmet. (Näheres siehe: http://www.cztour.cz/rabstejn/de/) Am Abend konnte man den Tag mit Konzerten oder hausgemachter Disko ausklingen lassen. Am Ende bleibt zu sagen, dass es dieses Jahr wieder ein gelungenes Camp mit vielen Angeboten zu erleben gab. Wir wünschen viel Erfolg im nächsten Jahr und werden euch natürlich auch wieder unterstützen...
An diesem Pfingstwochenende trafen sich im bayrischen Mittenwald zum 50. Mal Gebirgsjäger und deren Freunde auf dem Hohen Brendten, um der gefallenen Kameraden aller Epochen zu gedenken. Aller Epochen meint auch deren, die im 2. Weltkrieg an deutschen Kriegsverbrechen beteiligt waren. So ermordeten nach der Eroberung Griechenlands Angehörige der deutschen Gebirgsjägertruppen am 21. und 24. September 1943 über 4.000 unbewaffnete italienische Soldaten. Es handelt sich um eines der schwersten deutschen Kriegsverbrechen im Mittelmeerraum. Auch an anderen Massakern waren sie beteiligt. Doch es stört offensichtlich nur wenige, wenn in Mittenwald die Bundeswehr gemeinsam mit alten Nazis feiert und der Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung eine Rede hält. Doch eben jener Christian Schmidt erklärte ja schließlich, dass auch er von 1976 bis 1977 seinen Wehrdienst bei der 1. Gebirgsdivision leistete. So stehen sie nebeneinander und singen ihre Lieder: Mitglieder der Bundeswehr und, unter anderem, Josef Scheungraber. Er wurde in Italien rechtskräftig wegen 14 fachen Mord zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Seine Einheit hatte im Juni 1944 als „Vergeltung“ gegen Partisanenangriffe 13 Zivilisten in ein Bauernhaus gesperrt und es gesprengt. Alle im Haus bis auf einen 15-jährigen Jungen starben. Der Ort der Gebirgsjäger-Veranstaltung ist durch Polizeieinheiten abgeriegelt. GegendemonstrantInnen dürfen nicht hinauf! Einige schaffen es trotzdem und zeigen am Anfahrtsweg ihre Transparente. Mitglieder der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregiems" schaffen es sogar zum Gedenkplatz und entrollen ein Plakat mit der Aufschrift "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Danach wurden sie in Polizeigewahrsam genommen und nach der Zusammenrottung der "Jäger" wieder entlassen. Empört sind die Gebirgsjäger über die Störungen und lassen sich zu so manchen Ausrutscher hinreißen. "Idioten und Kommunisten", "Ihr woards ja goarnet daobei" oder "Lernt erstmal arbeiten", brüllen sie aus ihren Autos und zeigen dabei den Mittenfinger. Kurze Zeit später demonstrieren mehr als 300 AntifaschistInnen durch die Innenstadt von Mittenwald und fordern die Entschädigung der Opfer, sowie die Beendigung des Gebirgsjägertreffens. Doch die Menschen, die vom Tourismus leben, haben dafür kein Verständnis. Sie wollen nur das wieder Ruhe einzieht in die Gemeinde. Es ist doch schon 60 Jahre her und Kriegsverbrechen habe es ja eh nicht gegeben - nicht in Italien und nicht im ehemaligen Jugoslawien. Widerlich ist dieses Verhalten, befinden sich unter den TeilnehmerInnen auch die Kinder des in Kephallonia ermordeten Hauptmanns Cap. Francesco De Negri. Noch schlimmer wird es, als einer der jungen Polizisten beginnt Marcella de Negri zu bedrägen und sie zu schupsen. Stolz strahlt der zwei Meter große Mann nach seiner tat übers ganze Gesicht. Am Tag vorher waren Marcella und ihr Bruder Enzo bei einer Veranstaltung im Zelt der GegendemonstrantInnen in der Nähe des Bahnhofes. Mit ihnen eine Reihe weiterer ZeitzeugInnen, wie Paola Fioretti (Tochter von Capo di Stato Maggiore Giovanni Battista Fioretti der am 24.9.1943 ermordet wurde), Richard Wadani (desertierte 1944 in Frankreich aus der Wehrmacht und trat in die tschechische Armee ein) und Nikos Fokas (war Partisan bei der EAM/ELAS und half italienischen Soldaten nach den Massakern der Gebirgsjäger im Herbst 1943). Etwa 150 Menschen waren im Zelt und folgten den Erzählungen. Wir hoffen, dass im nächsten Jahr wieder mehr AntifaschistInnen den Weg nach Mittenwald finden, um den Überlebenden und Opfern der Massaker ihre Solidarität zu zeigen und den Angehörigen zu sagen, dass wir nicht vergessen und uns weiter gegen die Verherrlichung von NS-Verbrechern einsetzen werden.
Seit 1999 organisieren in Most Nazis ein Treffen, um den Todestag ihres "gefallenen Kameraden" Milos Reho zu begehen. Reho (19) wurde in der Stadt Litvinov bei einer Auseinandersetzung mit einem "Sinti und Roma"-Mann erstochen. Später wurde dieser wegen Todschlag zu einer Haftstrafe von 10 Jahren verurteilt. Seit dem wird der Tod Rehos von der lokalen und nationalen Naziszene benutzt, um einen jährlichen Gedenkmarsch zum Friedhof zu veranstalten. Dies wird genutzt um Stärke zu zeigen, aber auch um ihren Rassismus zu verbreiten. Er richtet sich hier vor allem gegen "Sinti und Roma". Dennoch gibt es eine Reihe von Versuchen, lokaler AntifaschistInnen, dieses Treffen zu stören. Dabei kommt es auch zu direkten Angriffen auf Mitglieder der patriotischen Neofaschistischen Front. Auch letztes Jahr war dies der Fall. In diesem Jahr wurde der Gedenkmarsch von einigen Leuten organisiert, die in direkter Verbindung zur regionalen Nazigruppe "Radical-Boys-Brux" (Brux ist tschechisch für Most) und zur rassistischen Hooligansszene, sowie zu einem Zweig des "Narodni Odpor" (Nationaler Widerstand) stehen. Die Gegenaktionen wurden von Mitgliedern und Sympathisanten der "Antifaschistischen Aktion - Vereinigung anarchistischer Gruppen" (AFA-FAS) und dem Infoportal www.antifa.cz organisiert. Etwa 100 Menschen trafen sich deshalb in einem Park an der Naziroute. Die überraschend große Anzahl von PolizistInnen hielt die Gruppe allerdings ab, in die Nähe des Aufmarsches zu gelangen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich rund 300 Nazis am Bahnhof versammelt. Auf Grund der geringen Anzahl von GegendemonstrantInnen schlug eine Blockade der Route fehl. Als das Auto eines bekannten Anti-Antifa-Fotographen angegriffen wurde, fuhr dieser absichtlich in eine Gruppe von AntifaschistInnen und verletzte 3 Menschen. Zwei Frauen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Eine von ihnen wurde leicht verletzt entlassen, während die Andere mit einer Fraktur der Hüfte weiter im Krankenhaus liegt. Der Fahrer wurde festgenommen und befindet sich immer noch in Polizeigewahrsam.
Öffnungszeiten Kulturkiste K2
jeden Donnerstag 14-17 Uhr
und nach Absprache