Viel haben wir schon gehört über die Verbrechen der Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus. Häufig begegnen uns Berichte aus den ehemaligen Konzentrationslagern in Polen, Weißrussland und Tschechien. Aber wie war die Zeit in den Ländern der BeNeLux-Staaten? Auf einer Reise, die über 2600 Kilometer lang war, versuchten wir einen Einblick zu bekommen und besuchten dazu eine Reihe von Gedenkplätzen.
Das erste Ziel war die luxemburgische Gemeinde Sandweiler, in deren Umgebung sich ein amerikanischer Militärfriedhof befindet. Auf mehr als 5000 Kreuzen befinden sich die Namen der Soldaten, die in den Kämpfen mit der deutschen Wehrmacht während der Ardennenoffensive ums Leben kamen. Eine Reihe der weißen Gedenksteine sind Davidsterne. Von der Gedenkkapelle ausgehend befinden sich die 5.076 Gräber bogenförmig aufgestellt. Der Friedhof gilt als einer der schönsten angelegten des amerikanischen Militärs.
Von dort aus ging es noch weiter südlich in die Stadt Esch. Dort befindet sich das größte Museum der luxemburgischen Widerstandsbewegung – das „Musée National de la Résistance“. Seit 1956 dokumentiert das Museum die Geschichte der Resistance gegen die nationalsozialistische Besatzungsmacht in den Jahren von 1940 bis 1945. Am Empfang begrüßte aus ein alter Mann, der eine Häftlingsnummer auf den Unterarm tätowiert hatte. Er selbst überlebte die Hölle von Auschwitz. Der letzte Stopp in Luxemburg galt der bekannten Burg in Clervaux. Während der Ardennenoffensive im Dezember 1944 wurde die Burg von deutschen Truppen stark zerstört. Heute befindet sich in der Burg eine Ausstellung zur Schlacht.
Nach wenigen Kilometern erreichten wir dann Belgien. Vorbei an der Stadt Liege führte uns der Weg nach Huy. Die Zitadelle Huy, oberhalb der Stadt, diente ab Juni 1941 als Sammel- und Durchgangslager für Gegner der Nationalsozialisten. Seit 1992 besteht in einem Teil der Anlage das "Museum des Widerstands und der Konzentrationslager". In mehr als zwanzig Räumen wird sowohl die Geschichte der Deportationen als auch des belgischen Widerstandes aufgezeigt.
Oberhalb von Brüssel, in der Altstadt von Mechelen, befindet sich in der ehemaligen General-Dossin-Kaserne eine Gedenkstätte mit Ausstellung an das „SS-Sammellager Mechelen”, das als zentrales Durchgangslager bei der Deportation der belgischen Juden und Sinti und Roma in die Konzentrations- und Vernichtungslager diente. Zum 50. Jahrestag der Befreiung am 7. Mai 1995 wurde das "Jüdische Deportations- und Widerstandsmuseum" durch König Albert II. eingeweiht.
Als letzter Anlaufpunkt war die bereits Anfang 1947 gegründete Gedenkstätte Nationaal Gedenkteken Fort Breendonk. Sie erinnert an das vom deutschen Sicherheitsdienst im September 1940 eingerichtete "Auffanglager Breendonk". Bis zur Auflösung im August 1944 wurden dort mindestens 3.532 Menschen inhaftiert. Sie ist eines der interessantesten Museen zum Thema. Der Rundgang dauerte fast drei Stunden und ist pädagogisch gut strukturiert. Nach eigenen Aussagen liegt das an der guten Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum von Mechelen.
Von Antwerpen sind es dann nur noch wenige Kilometer in die Niederlande. Auch hier besichtigten wir drei Gedenkplätze. Der erste war das Nationaal Monument Kamp Amersfoort. Es wurde auf einem Teil des früheren Lagergeländes eingerichtet und ist der zentrale Ort zur Erinnerung an die Geschichte des Polizeilichen Durchgangslagers Amersfoort und das Schicksal der über 35.000 Menschen, die hier in den Jahren von 1941 bis 1945 gefangengehalten wurden. Leider ist auf einem Teil des Geländes ein Golfplatz und auf dem anderen die Polizeischule errichtet wurden.
Am letzten Tag unserer Reise besuchten wir den Gedenkplatz "Haarendael". Im Großseminar der katholischen Kirche in Haaren bestand eines von drei Geisellagern und ein Polizeigefängnis des Sicherheitsdienstes. Zahlreiche Oppositionelle wurden dort inhaftiert. Für viele Insassen war das Lager aber nur eine Durchgangsstation auf dem Weg in die Konzentrationslager oder vor die Hinrichtungskommandos. Es werden allerdings nur einmal in der Woche Führungen angeboten und ohne diese besteht auch kein Einlass.
Unweit davon befindet sich das Nationaal Monument Kamp Vught. Hier befindet ein Teil des ehemaligen Lagergeländes. Es bewahrt die Erinnerung an die Geschichte des Konzentrationslagers Herzogenbusch und mehr als 30.000 Männer, Frauen und Kinder, die hier und in zahlreichen Außenlagern im Zeitraum von Januar 1943 bis September 1944 inhaftiert waren.
Nach über 2000 Kilometern endete unsere Fahrt durch die BeNeLux-Staaten und führte uns vorbei an den Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald und Mittenlbau-Dora zurück in die Sächsische Schweiz. Was wir in diesen Tagen gesehen und erlebt haben, verdeutlich wieder einmal, dass wir uns weiterhin gegen Antisemtismus und Rassismus engagieren müssen. Dazu gehört es eben auch, die Geschichte nicht zu vergessen. Auch nach über 60 Jahren sollte das Wissen weiter vermittelt werden. Denn wie sagte schon der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno: „Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären.“



