von Anna Lukowá
»Die Zaunfahnenkultur in Dresden ist deutschlandweit einzigartig. Jeder einzelne Besitzer ist stolz auf seine Fahne und möchte sie im Stadion präsentieren« schreibt es die Fan-Gemeinschaft „Ultras Dynamo“ im hauseigenen „Zentralorgan“ (1) in Vorbereitung auf das Drittligaspiel SG Dynamo Dresden gegen den Rivalen FC Rot Weiß Erfurt am siebten April. Wie stolz der Fan aus dem Elbtal auf seine Zaunfahne ist konnte zwei Tage später auch im Ostseestadion, der Heimat des FC Hansa Rostock, in vollster Blüte bewundert werden. Neben den für Ostderbys typischen Ausschreitungen vor und nach dem Spiel nebst archaischen Männergebärden, prangerte am Zaun des Dynamo Dresden-Gästeblocks zur Schmähung der gegnerischen Mannschaft ein mannsgroßer Lappen mit einer Kombination aus „Ghostbusters“-Logo, FC Hansa Trikot und antisemitischer Karikatur eines chassidischen Juden in bester „Der Stürmer“-Tradition (Siehe Abbildung). Einzelne Blogger berichten am Tag darauf, dass die Szenerie zusätzlich mit „Hansa Jude Jude Jude“-Rufen bekräftigt wurde (2).
Mehr als 50 Vereine, Initiativen und Personen solidarisieren sich mit der Entscheidung des Soziokulturellen Zentrums „Die VILLA“ und des Projekt Verein e.V. „Conne Island“, die Extremismusklausel nicht zu unterschreiben.
Einig sind sich alle Unterzeichnenden: „Eine unabhängige Zivilgesellschaft stellt einen unabdingbaren Bestandteil einer lebendigen Demokratie dar. Wir betrachten die Klausel als staatlichen Eingriff in zivilgesellschaftliches Engagement.“
Gegen die Anschuldigung, am 19. Februar zu Straftaten aufgerufen zu haben, wehrt sich der Verein mit einer Unterstützungskampagne “Hände weg vom Roten Baum”. In einer Presseerklärung forderte der CDU-Stadtrat Dr. Georg Böhme-Korn, eine Auszahlung so lange unter Vorbehalt zu stelle, wie die Ermittlungen gegen den Verein andauern. Sollte sich herausstellen, dass der Verein mit den Straftaten in Verbindung steht, so die Presseerklärung, sollen die ausgezahlten Mittel zurückgezahlt werden. Allerdings erklärte wenige Tage später die Dresdner Staatsanwaltschaft, dass gegen den Verein keine Ermittlungen laufen.
Opferberatungsstellen für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt legen Jahresstatistik vor.
Die Opferberatung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt des RAA Sachsen e.V. erhielt im Jahr 2010 von 239 Angriffen Kenntnis. 396 Menschen waren davon direkt betroffen. Die Beratungsstellen zählen ausschließlich Gewaltdelikte, keine Propaganda- oder Beleidigungsdelikte.
Im Vergleich zum Vorjahr (263 Angriffe im Jahr 2009) ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Die Opferberatung sieht dennoch keinerlei Anlass zur Entwarnung.
Weiterlesen: 239 rechtsmotivierte und rassistische Angriffe im Jahr 2010 in Sachsen
Das linke Wohn- und Kulturprojekt RM16 sagt aufgrund des skandalösen Verhaltens der Polizei am vergangenen Samstag eine Begehung seiner Räumlichkeiten ab. Es war eine Begehung des Objektes durch Beamte der Soko Rex im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu dem Brandanschlag auf die RM16 im August vergangenen Jahres geplant.
Öffnungszeiten Kulturkiste K2
jeden Donnerstag 14-17 Uhr
und nach Absprache