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von Anna Lukowá

»Die Zaunfahnenkultur in Dresden ist deutschlandweit einzigartig. Jeder einzelne Besitzer ist stolz auf seine Fahne und möchte sie im Stadion präsentieren« schreibt es die Fan-Gemeinschaft „Ultras Dynamo“  im hauseigenen „Zentralorgan“ (1) in Vorbereitung auf das Drittligaspiel SG Dynamo Dresden gegen den Rivalen FC Rot Weiß Erfurt am siebten April. Wie stolz der Fan aus dem Elbtal auf seine Zaunfahne ist konnte zwei Tage später auch im Ostseestadion, der Heimat des FC Hansa Rostock, in vollster Blüte bewundert werden. Neben den für Ostderbys typischen Ausschreitungen vor und nach dem Spiel nebst archaischen Männergebärden, prangerte am Zaun des Dynamo Dresden-Gästeblocks zur Schmähung der gegnerischen Mannschaft ein mannsgroßer Lappen mit einer Kombination aus „Ghostbusters“-Logo, FC Hansa Trikot und antisemitischer Karikatur eines chassidischen Juden in bester „Der Stürmer“-Tradition (Siehe Abbildung). Einzelne Blogger berichten am Tag darauf, dass die Szenerie zusätzlich mit „Hansa  Jude Jude Jude“-Rufen bekräftigt wurde (2).

 

Nach wie vor sind antisemitische Diffamierungen, rassistische Beschimpfungen und Antiziganismus fest im Repertoire der Fangruppen vorhanden. So ist es nicht verwunderlich wenn Anhänger des FC Union Berlin die Fans des Potsdamer Vereins Babelsberg 03 schon einmal mit „Babelsberg 03 Arbeit macht frei!“-Rufen „begrüßen“. Die wenigen Ultra- und Fan-gruppen die sich dezidiert antirassistisch engagieren sind an einer Hand abzählbar. Der Skandal scheint vom Alltag überlagert worden zu sein.

Bundesweit Schlagzeilen machte im Vergleich damals das Transparent der Fans von FC Energie Cottbus am 05. Dezember 2005. Während eines Spiels gegen die SG Dynamo Dresden breiteten angereiste Energie-Fans ein ca. 2x10 Quadratmeter großes Transparent aus, auf dem zur Verunglimpfung der gegnerischen Mannschaft das Wort „Juden“ in Frakturschrift zu lesen war. Links und rechts war dieses mit einem Davidstern umrahmt. Das „D“ in der Wortmitte wurde durch das Logo von Dynamo Dresden ersetzt. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fussball Bundes (DFB) wandte sich im Anschluss und unter Druck der Öffentlichkeit an den Gastgeber Dresden und forderte eine Erklärung der Vorfälle. Wie weit es nach dem Spiel Dynamo Dresden gegen Hansa Rostock zu Konsequenzen kommen wird ist momentan noch nicht absehbar. Bisher hat sich der Dresdner Verein noch nicht zu den Vorkommnissen geäußert. Laut Online-Plattform „Ostfussball.com“ ermittelt der DFB seit dem 11. April. Auf der Internetseite der „Ultras Dynamo“ ist das Zeugnis der „einzigartigen Zaunfahnenkultur“ in der Bildergalerie zum besagten Spiel jedenfalls nicht mehr abrufbar (3).

Zur Funktion des populären Schmähwortes „Jude“ empfehle ich: Reichelt, Michael: Das Lexem „Jude“ im jugendlichen Sprachgebrauch. Eine Untersuchung am Beispiel sächsischer Fussballplätze, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung 18, Berlin 2009, S. 17-43.

Quellen:
(1) http://zentralorgan.ultras-dynamo.de/2010-2011/11-04-06-zentralorgan-erfurt.pdf (Abgerufen am 12.04.11)
(2) http://forum.dynamo-dresden.de/showthread.php?t=13369&page=63 ; http://ostfussball.com/nachgehakt-dynamo-dresden-zu-gast-in-rostock-788/ (Abgerufen am 12.04.11)
(3) Vgl.: http://ultras-dynamo.de/ud2010/gallery/category/131 (Abgerufen am 12.04.11)

Bildnachweis:
Screenshot der Webseite von Ultras Dynamo

 

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