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Vortrag & Diskussion mit Wolfgang Kraushaar

Am 9. November 1969 plazierte die sich seinerzeit nach südamerikanischem Vorbild benannte Gruppe "Tupamaros West-Berlin" eine Bombe im jüdischen Gemeindehaus der Stadt Berlin. Sie sollte dort während einer Gedenkveranstaltung an das Nazi-Pogrom von 1938 explodieren. NS-Überlebende sollten erneut Opfer werden – diesmal durch die Kinder der TäterInnen-Generation. Was bei der Olympiade 1972 in München mit dem blutigen Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft traurige Wirklichkeit wurde, hätte hier seinen Auftakt finden sollen. Was war geschehen? Bislang hatte die außerparlamentarische Protestbewegung eine klare antifaschistische Ausrichtung eingenommen und führte als eines ihrer Hauptanliegen die Auseinandersetzung mit den TäterInnen der Elterngeneration. Nach dem Sechstagekrieg von 1967 kippte die Stimmung. Die israelischen Gebietseroberungen und die Politik gegenüber den PalästinenserInnen gerieten in die Kritik. Entlang der Grenze zwischen der vermeintlich legitimen Kritik am Zionismus und eindeutigem Antisemitismus bewegten sich die Auseinandersetzungen in der APO und ihren SympathisantInnen. Die Gruppe um Dieter Kunzelmann, die im Sommer 1969 in Jordanien Trainingscamps der El Fatah besucht hatte, ging nach ihrer Rückkehr im November einen Schritt weiter. Die ProtagonistInnen der "Tupamaros West-Berlin" wollten die Sicht der 68er gegenüber dem imperialistischen Verhalten der AmerikanerInnen im Vietnamkrieg auf das Vorgehen Israels gegenüber den PalästinenserInnen im Nahostkonflikt übertragen. Es ging ihnen in letzter Konsequenz darum, den Guerillakampf in das Land der NS-TäterInnen zu holen. Indem jüdische Gemeinden zu "Agenturen des zionistischen Staates Israel" erklärt wurden, gehärten sie plätzlich zu einer "Kampfzone", bei deren Eräffnung es angeblich um die Solidarität mit Palästina gehen sollte. 1955 schrieb Theodor W. Adorno vom "Schuldabwehrantisemitismus". Im Falle der Kunzelmann-Gruppe bedeutet dies, dass sie "alle Errungenschaften des SDS und anderer Studentenverbände, die sich (...) so nachhaltig für ein Schuldbekenntnis und für Wiedergutmachung gegenüber Israel eingesetzt hatten, mit einem Handstreich über Bord werfen musste", um in ihrem Wahn jüdische und israelische Einrichtungen und Personen im Namen des palästinensischen Volkes angreifen zu können. Inwiefern linker Antisemitismus lediglich als Phänomen militanter antiimperialistischer Gruppen beschrieben werden kann und inwieweit der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) die antizionistische Wende von 1967 mitgetragen hat, sind unter anderem Fragen, deren Beantwortung Wolfgang Kraushaar mit seiner umfassenden Recherche zum Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in Westberlin näher kommt. Am 8. November 2005 ist dazu Wolfgang Kraushaar (Politikwissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung) im jüdischen Gemeindezentrum der Dresdner Synagoge zu Gast. Die Veranstaltung beginnt 19.30 Uhr.


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