Über 2000 AntifaschistInnen bescherten den angereisten Nazis, darunter auch Nationalisten aus Deutschland, einen rabenschwarzen Tag. Nicht nur die Tatsache, dass die Nazis ihren geplanten -und verbotenen- Aufmarsch durch das ehemalige jüdische Viertel in Prag nicht durchführen konnten, sondern auch etliche davongetragene Verletzungen, dürften auf die Stimmung unter den NS-Verherrlichern gedrückt haben.
Die Organisatoren der Nazidemonstration planten einen Marsch durch das alte Jüdische Viertel, um den Einsatz tschechischer Soldaten im Irak zu kritisieren. Doch allen musste klar sein, dass dies nur ein Vorwand sein konnte. Die Wahl des 10. Novembers als Demonstrationszeitpunkt und das jüdische Viertel als Ort des Geschehens, lässt keinen anderen Schluss zu: die Verherrlichung des Nationsozialismus und die Verhöhnung der Opfer der Reichspogromnacht waren eigentliches Anliegen. Das zog auch bei deutschen Nazis. Thomas Gerlach, Altenburger "Kameradschaftsführer", rief gleich nach Bekanntwerden der Demonstration seine Kameraden zur Teilnahme auf. Tschechischen Medienberichten zu Folge, überquerten 3 Busse mit deutschen Nazis die Grenze, die daraufhin von tschechischer Polizei begleitet wurden. Jedoch gibt es dazu widersprüchliche Angaben. Es kann zumindest von einem mit deutschen Nazis besetzten Bus ausgegangen werden. Wieviele jedoch mit privaten Autos anreisten, ist nicht bekannt.
Am Samstag waren rund 1500 Polizisten im Einsatz; fast 400 Menschen wurden festgenommen. Grund dafür war u.a. das Beisichführen von Waffen. Bei den Nazis wurden Gaspistolen, Äxte, Eisenstangen, Sprengstoff und Schlagstöcke beschlagnahmt. Für einen heiklen Zwischenfall sorgte der Anmelder der Nazidemonstration, Petr Kalinovský, der mit einer Gaspistole um sich schoss. Nur durch beherztes Eingreifen von AntifaschistInnen konnte er daran gehindert werden, weitere Schüsse in die Menge abzugeben. Er selbst erlitt dabei eine Platzwunde am Kopf. Über den ganzen Tag kam es in der Stadt zu Auseinandersetzungen zwischen Antifas und Nazis.
Auf dem Altstädter Ring protestierten hunderte Menschen mit angesteckten "Judensternen" gegen den Naziaufmarsch. Die Jüdisch Liberale Union hatte dorthin zu Gegenprotesten aufgerufen. Neben Politikern sprachen auch Holocaust-Überlebende auf der Kundgebung. Im Gegensatz zu den deutschen BürgerInnen zeigten die tschechischen BürgerInnen deutlich, dass ihr Ziel darin bestand, den Naziaufmarsch zu blockieren. Vielleicht sollten sich dies auch Dresdner BürgerInnen für kommenden Februar vornehmen und sich das tschechische Engagement im Gedächtnis behalten.
Die tschechische Antifa (www.antifa.cz) hatte zu einer Demonstration mobilisiert, die lautstark und selbstbewusst durch die Strassen Prags zog. Mehr als 1000 Menschen folgten dem Aufruf der tschechischen AnarchistInnen, darunter auch 200 deutsche AntifaschistInnen.
Trotz Verbotes fanden sich rund 4oo Nazis ein, denen anscheinend die Verbotsverfügung nicht abschreckte. Ohne die entschlossenen Gegenproteste hätte sich der "nationale Widerstand" wohl formiert und wäre in Richtung des alten Jüdischen Viertels marschiert. Dazu kam es aber glücklicherweise nicht und die Nazis mussten unverrichteter Dinge wieder abreisen. Für diesen Samstag haben "Autonome Nationalisten" als Reaktion auf das Desaster vom 10.11. eine erneute Demonstration geplant.



