Pirna. Die rechtsextreme Randale am 13. Februar wird auf der Stadtratssondersitzung am 2. März ein Nachspiel haben. "Wir haben das Thema als Beratungspunkt auf die Tagesordnung gesetzt", teilte Stadtsprecherin Sabine Schlechtiger auf DNN-Anfrage mit. Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) werde deutliche Worte bei der Auswertung der Ereignisse finden, danach ist eine freie Aussprache geplant. Bei der werde die Rolle von NPD-Stadtrat Mirko Liebscher am vergangenen Sonnabend sicher ebenfalls thematisiert.
Rund 400 Neonazis waren nach dem gescheiterten Neonazi-Aufmarsch in Dresden durch die Pirnaer Innenstadt gezogen. Ein unschuldiger Passant wurde mit Faustschlägen attackiert, die Türfenster zum Bürgerbüro der Sozialdemokraten an der Langen Straße mit Steinen eingeworfen. Die Randale hat in der Stadt und landesweit für Entsetzen gesorgt. Stadtrat Liebscher wurde am Sonnabendmittag beobachtet, wie er den Bussen mit den Extremisten, die mit der S-Bahn weiter nach Dresden zu dem sogenannten "Trauermarsch" fuhren, den Weg zum Bahnhof wies. Den DNN gegenüber hat er diese Aktion auch bestätigt.
Die Sonderkommission Rechtsextremismus (Soko Rex) des Landeskriminalamtes Sachsen hat die Ermittlungen zu den Ausschreitungen übernommen. Sie ermittelt unter anderem wegen Landfriedensbruch. Zu den Verdächtigen zählen nach DNN-Informationen Martin Schaffrath und Marco Schitzkat. Beide wurden am Sonnabendabend von der Polizei vorläufig festgenommen. Sie sind in der Neonazi-Szene der Sächsischen Schweiz keine unbeschriebenen Blätter. Schaffrath sitzt für die NPD im Stolpener Stadtrat und steht der rechten Jugendorganisation im Landkreis vor. Er wurde auch dem engsten Kreis der verbotenen Neonazi-Gruppe Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) zugeordnet. In Pirna betreibt er den Rechte-Szene-Laden "The Store" an der Breite Straße. Marco Schitzkat ist aus dem SSS- und Hooligan-Umfeld bekannt. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Dirk versuchte er beispielsweise, 2004 die Antifa-Demo in Pirna zu stören. S.K.
Die Stadtratssitzung ist am 2. März, 18 Uhr im Rathaus, großer Ratssaal.
Quelle: DNN, 20.02.2010 Seite 22



