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Vor 65 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten Soldaten der Rote Armee die Überlebenden des Konzentrationslagerkomplexes Auschwitz. Seit 1996 wird in Deutschland der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar begangen.

Mit der gestrigen Kranzniederlegung sollte in Pirna würdevoll an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden. Etwa 80 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Gedenkveranstaltung am VVN-Denkmal in der Grohmannstraße teil.
Eröffnet wurde die Gedenkfeier durch Landrat Michael Geisler. Er sprach vom Gedenken an die ermordeten Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuellen und politisch Andersdenkenden. Bis hier konnten wir den Ausführungen Geislers noch folgen. Die häufige Verwendung des Wortes "Rasse" ist allerdings 2010 durch einen Politiker nicht nachvollziehbar. Es stellt sich die Frage, ob es fehlende Sensibilität ist oder fehlendes Wissen.
Dieses Jahr beteiligte sich eine Klasse der Goethe-Mittelschule Pirna an den Gedenkfeierlichkeiten. Ein Instrumentalstück und ein Gedicht trugen die Schüler zum Gedenken an die Opfer vor. Beides verdient unseren Dank. Aber was sie unter "Opfer" verstanden, wurde erst im Laufe der anschließenden Rede klar. Neben den Vertriebenen, allen Soldaten der Weltkriege und damit auch eingeschlossen die Deutsche Wehrmacht, SS-Verbände und verbündeten Soldaten, galt ihre Trauer auch den deutschen Bundeswehrsoldaten. Mit solch einem Gedenken wird aus unserer Sicht der Sinn des Gedenktages in Frage gestellt. Opfer und Täter in einem Zug zu gedenken, verharmlost die Schrecken des Nationalsozialismus. Die Verantwortung, die Lehrer gegenüber ihren Schülern und Mitmenschen tragen, wird hier sehr deutlich. Wir sind gern bereit grundlegende Gespräche über die Gedenkfeier im nächsten Jahr zu führen und unsere Unterstützung anzubieten.

Im Anschluss an das Programm wurden die verschiedenen Kränze der Parteien, Institutionen und Vereine niedergelegt. Dabei waren unter anderen die Stadt Pirna, der Landkreis Sächsische Schweiz, die Stadtfraktionen der LINKEN und SPD/GRÜNE, sowie AKuBiZ e.V.. Der Kranz der Kriegsgräberführsorge wurde unter anderem vom neuen Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke niedergelegt. Fraglich erscheint uns auch, warum die Scherbe der Ortsgruppe der VVN-BdA in schwarz-rot-gold sein musste und warum diesmal niemand von ihnen redete. Auch hier möchten wir Gespräche anbieten und unsere Kritik zum Ausdruck bringen. Für ein würdevolles Gedenken im Sinne der Opfer des Nationalsozialismus.

Wir wünschen uns dringend eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema.
Der Dresdener Verein POKUBI bietet zudem gute Seminare zum Thema Rassismus an, das NDC Dresden Workshops für LehrerInnen und SchülerInnen. Die bestehenden Möglichkeiten sollten genutzt werden.

Gedenken in Heidenau

In Heidenau hingegen bot sich den rund 70 Teilnehmenden eine den Opfern des Nationalsozialismus würdige Veranstaltung. Seit einigen Jahren wird die Gedenkfeier von einer Initiative gesellschaftlicher, kirchlicher und politischer Institutionen vorbereitet. In der Vergangenheit stand beim Gedenken die Ehrung einer Persönlichkeit im Vordergrund, welche Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurde. So beschrieb man beispielsweise das Leben und Wirken von Sophie Scholl oder Fritz Gumpert. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung dem ehemaligen Bürgermeister Heidenaus, Paul Gröger gewidmet. In der Kapelle des Friedhofes Heidenau-Nord hielt Bürgermeister Michael Jacobs zu Beginn die Eröffnungsrede. Im Anschluß wurde die Situation in Heidenau während des Nationsozialismus und die Rolle des Paul Gröger beschrieben. Instrumentalstücke und Gedichte umrahmten das Vorgetragene.

Paul Gröger war SPD-Mitglied und Bürgermeister von Heidenau. Er verurteilte die nationalsozialistische Ideologie und handelte danach. Nach der Machtergreifung Hitlers und den darauf rasch angesetzten Reichstagswahlen, wurde am 07.03.1933 angeordnet, die Hakenkreuzflagge auf dem Rathaus zu hissen. Paul Gröger wehrte sich dagegen vergebens. Am 11. April 1933 wurde das Stadtparlament im Verhältnis der Reichstagswahlergebnisse neu besetzt. Am 22. April wurde Paul Gröger offiziell beurlaubt und durch den NSDAPler Georg Schreiber ersetzt. Zwei Monate später erklärte Gröger seinen Rücktritt, Tags darauf wurde Georg Schreiber im Amt bestätigt. Paul Gröger setzte seinem Leben am 27. August 1933 aufgrund des nationalsozialistischen Terrors und der erlittenen Demütigungen ein Ende.

Das Heidenauer Streichquartett untermalte die Veranstaltung. Sie spielten auch ein Stück,  welches im KZ Theresienstadt entstand. Anschließend bestand die Möglichkeit, Kränze und Blumen für die NS-Opfer auf dem Friedhof Heidenau-Nord niederzulegen.

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