Sebnitz - die Grenzstadt - war lange als Nazihochburg bekannt, doch seit einiger Zeit berichten die Medien nur noch selten darüber. Aber wie ist die Situation im Moment? Die alternative Jungendinitiative „JUMAWA“ scheint von der Bildfläche verschwunden zu sein und das Jugendhaus „Scholl-Heim“ wurde offiziell umbenannt.
Vor wenigen Tagen berichtete der Pirnaer NPD-Jugendverband „Junge Nationaldemokraten“ über einen Übergriff in Sebnitz. Die Darstellung des ehemaligen SSS-Mitgliedes Thomas Rackow unterscheidet sich dabei allerdings gewohnter Maßen von der Realität. Offensichtlich waren „Nationale“ (bei Rackow waren es „Bewohner des Marktes“ - diese veröffentlichen dann zufällig auf der Internet-Seite der JN-Sachsen?!) auf der Jagd nach vermeintlichen „Linken“, die sie in vier Jugendlichen fanden, welche sie der ehemaligen JUMAWA zurechneten. Bereits vor Jahren hetzte die NPD-Kreistagsfraktion in der Sächsischen Schweiz gegen diese Gruppe. Immer wieder kam es danach zu Übergriffen von Nazis.
Die Jugendlichen wurden beschuldigt „Steckbriefe“ verklebt zu haben und sofort attackiert. Andere wurden durch die Stadt gejagt, bevor sie verprügelt wurden. Im Anschluss blutbeschmiert der Polizei übergeben, die zwar Anzeigen wegen Verdachts auf Sachbeschädigung aufnahmen, aber nicht nach der Herkunft der Verletzungen fragten. Eine Anzeige wegen Körperverletzung nahmen die Beamten nicht auf.
Im neuen „Bürgerbrief gegen Extremismus“ erhebt der Oberbürgermeister von Sebnitz - Mike Ruckh - den Zeigefinger und schießt in Richtung Mügeln. „Egal, der Schaden und zwar in jeder Form ist groß genug. Beschämend für uns Sachsen sind die Vorgänge alle mal ...“ schreibt er und weiß „Ein Mügeln darf es bei uns, darf es nirgendwo geben.“ Offensichtlich war er nicht beim Faschingsumzug in diesem Jahr dabei. Dort zeigt sich die Stadt tolerant. Neben einem Themenwagen, der die tschechischen Nachbarn als Diebe typisiert, gab es einen weiteren, der die USA in nazistischer Manier als „Völkermordzentrale“ bezeichnet.
Nicht zufällig fand deshalb unser diesjähriges Kulturfest in Sebnitz statt. Mehr als 40 Menschen kamen am 03. November, um am Fest teilzunehmen. Neben einer Mobilisierungsveranstaltung zum Aktionstag „Die Mörder sind unter uns!“ wurde auch über die derzeitige Situation der Jugendlichen vor Ort gesprochen. Die Infofilme „Ozarischi“ und „CNT“ wurden gezeigt und anschließend darüber diskutiert.
Für das leibliche Wohl sorgten selbst gemachter Kombucha, eine Kürbissuppe, Tiramisukuchen, Nudel-Knoblauch-Salat oder Nuss-Kipfel. Wir bedanken uns bei allen Gästen und freuen uns aufs nächste Mal.



