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An diesem Pfingstwochenende trafen sich im bayrischen Mittenwald zum 50. Mal Gebirgsjäger und deren Freunde auf dem Hohen Brendten, um der gefallenen Kameraden aller Epochen zu gedenken. Aller Epochen meint auch deren, die im 2. Weltkrieg an deutschen Kriegsverbrechen beteiligt waren. So ermordeten nach der Eroberung Griechenlands Angehörige der deutschen Gebirgsjägertruppen am 21. und 24. September 1943 über 4.000 unbewaffnete italienische Soldaten. Es handelt sich um eines der schwersten deutschen Kriegsverbrechen im Mittelmeerraum. Auch an anderen Massakern waren sie beteiligt. Doch es stört offensichtlich nur wenige, wenn in Mittenwald die Bundeswehr gemeinsam mit alten Nazis feiert und der Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung eine Rede hält. Doch eben jener Christian Schmidt erklärte ja schließlich, dass auch er von 1976 bis 1977 seinen Wehrdienst bei der 1. Gebirgsdivision leistete. So stehen sie nebeneinander und singen ihre Lieder: Mitglieder der Bundeswehr und, unter anderem, Josef Scheungraber. Er wurde in Italien rechtskräftig wegen 14 fachen Mord zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Seine Einheit hatte im Juni 1944 als „Vergeltung“ gegen Partisanenangriffe 13 Zivilisten in ein Bauernhaus gesperrt und es gesprengt. Alle im Haus bis auf einen 15-jährigen Jungen starben. Der Ort der Gebirgsjäger-Veranstaltung ist durch Polizeieinheiten abgeriegelt. GegendemonstrantInnen dürfen nicht hinauf! Einige schaffen es trotzdem und zeigen am Anfahrtsweg ihre Transparente. Mitglieder der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregiems" schaffen es sogar zum Gedenkplatz und entrollen ein Plakat mit der Aufschrift "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Danach wurden sie in Polizeigewahrsam genommen und nach der Zusammenrottung der "Jäger" wieder entlassen. Empört sind die Gebirgsjäger über die Störungen und lassen sich zu so manchen Ausrutscher hinreißen. "Idioten und Kommunisten", "Ihr woards ja goarnet daobei" oder "Lernt erstmal arbeiten", brüllen sie aus ihren Autos und zeigen dabei den Mittenfinger. Kurze Zeit später demonstrieren mehr als 300 AntifaschistInnen durch die Innenstadt von Mittenwald und fordern die Entschädigung der Opfer, sowie die Beendigung des Gebirgsjägertreffens. Doch die Menschen, die vom Tourismus leben, haben dafür kein Verständnis. Sie wollen nur das wieder Ruhe einzieht in die Gemeinde. Es ist doch schon 60 Jahre her und Kriegsverbrechen habe es ja eh nicht gegeben - nicht in Italien und nicht im ehemaligen Jugoslawien. Widerlich ist dieses Verhalten, befinden sich unter den TeilnehmerInnen auch die Kinder des in Kephallonia ermordeten Hauptmanns Cap. Francesco De Negri. Noch schlimmer wird es, als einer der jungen Polizisten beginnt Marcella de Negri zu bedrägen und sie zu schupsen. Stolz strahlt der zwei Meter große Mann nach seiner tat übers ganze Gesicht. Am Tag vorher waren Marcella und ihr Bruder Enzo bei einer Veranstaltung im Zelt der GegendemonstrantInnen in der Nähe des Bahnhofes. Mit ihnen eine Reihe weiterer ZeitzeugInnen, wie Paola Fioretti (Tochter von Capo di Stato Maggiore Giovanni Battista Fioretti der am 24.9.1943 ermordet wurde), Richard Wadani (desertierte 1944 in Frankreich aus der Wehrmacht und trat in die tschechische Armee ein) und Nikos Fokas (war Partisan bei der EAM/ELAS und half italienischen Soldaten nach den Massakern der Gebirgsjäger im Herbst 1943). Etwa 150 Menschen waren im Zelt und folgten den Erzählungen. Wir hoffen, dass im nächsten Jahr wieder mehr AntifaschistInnen den Weg nach Mittenwald finden, um den Überlebenden und Opfern der Massaker ihre Solidarität zu zeigen und den Angehörigen zu sagen, dass wir nicht vergessen und uns weiter gegen die Verherrlichung von NS-Verbrechern einsetzen werden.

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