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Sächsische Zeitung - Sebnitz Samstag, 28. April 2007 Polizisten und Rathaus zeigen Rassismus in Reimform Sluknov. Einen Skandal weit über die Grenzen des Schluckenauer Zipfels hinaus hat in dieser Woche ein Gedicht verursacht, das das Rathaus von Sluknov (Schluckenau) in seinem monatlich erscheinenden offiziellen Mitteilungsblatt veröffentlicht hat. Das Gedicht stammt aus der Feder zweier Schluckenauer Polizeibeamter. Gegenstand des Poems sind die Erfahrungen, die die beiden Polizisten im Umgang mit der Roma-Bevölkerung gemacht haben. Dem wichtigen Nachrichtenmagazin „Tyden“ (dem „Spiegel“ vergleichbar) war der Vorfall in der aktuellen Ausgabe eine Doppelseite wert. In den fünf Strophen des Gedichts wird unter anderem beschrieben, wie ein Roma-Vater im Winter seine Kinder losschickt, um Holz beim Nachbarn zu stehlen – „denn die Kinder belangt schließlich niemand“ – und wie er auf dem Sozialamt immer nur sagt „gib, gib, gib“. Aufgrund der Veröffentlichung im Mitteilungsblatt des Rathauses beschwerte sich ein Roma-Bewohner aus Sluknov. Er arbeite, zahle Steuern und er fühle sich verletzt, wenn er von der Polizei undifferenziert in einen Topf mit Roma-Straftätern geworfen werde. Milan Korinek, der Bürgermeister von Sluknov, bedauerte den Vorfall, will aber dennoch keinerlei Maßnahmen gegen die beiden Polizeibeamten ergreifen: „Ich habe mit ihnen geredet und sie haben mir versprochen, dass sich so etwas nicht wiederholen wird“, sagt er dem „Decinsky denik“. Er wundere sich allerdings nicht, dass die Polizisten nicht gut auf die Roma zu sprechen seien. Es seien immer dieselben Leute, die sich Straftaten zuschulden kommen ließen. „Es sieht so aus, als sei diese Bevölkerungsgruppe unergründlich und unverbesserlich.“ Dass das Gedicht überhaupt im Mitteilungsblatt des Rathauses erscheinen konnte, liegt offensichtlich daran, dass das Rathaus kein echtes Konzept für den Inhalt der Zeitung hat: „Wir drucken alles ab, was nicht explizit vulgär ist“, sagte Korinek. „Sonst beschuldigen uns die Leute, dass wir hier eine Zensur betreiben.“ Auch David Hlinka, Chefredakteur des Mitteilungsblattes, räumte eine gewisse Hilflosigkeit des Rathauses im Umgang mit den Bürgern ein. „Wenn wir einen Beitrag ablehnen, ruft uns der Autor sofort an und beschimpft uns, dass wir nur schreiben, was dem Bürgermeister passt.“ (ahu)

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