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[mad]Eingebettet in eine Pseudo-Doku werden die dümmsten Klischees über Hinterwäldler aus dem Ostblock bedient. Borat der Hauptdarsteller reist in die USA um deren Kultur kennenzulernen. Für das Publikum wird diese Reise zur Entdeckungstour in die rassistischen resp. antisemitischen, sexistischen, und homophoben Abgründe des Hauptakteurs. Aber nicht nur in die Abgründe des Hauptdarstellers, sondern auch in die der Menschen, die er während seiner Reise trifft. Was aber wollen die Macher von „Borat“? Die Neuigkeit verkünden, dass es Rassisten, Sexisten und Schwulenhasser gibt? Das diese Leute lächerlich sind? Dem Publikum einen Spiegel vorhalten, um eigene Denkweisen zu offenbaren? Rassismus, Sexismus oder Schwulenfeindlichkeit propagieren? Einfach nur Kohle machen? Scheinbar eher das letzte, denn weder ist das Vorhandensein von Vorurteilen besonders neu, noch regt der Film zum Hinterfragen eigener Denkmuster und Verhaltensweisen an. Mensch könnte zwar meinen, dass Borat als Lackmustest für eigene rassistische Stereotype wirkt. Etwa nach dem Motto: Lache ich mit über antisemitischen Scheiß, bin ich selber ein Antisemit. Aber was wiederum bringt das? Jeder Antisemit lacht gern und herzhaft über derartiges. Und die anderen? Die lachen, weil Judenjagd auch komisch gefilmt werden kann, gehen die dann nach Hause und bemerken, dass sie gerade über einen Judenwitz gelacht haben? Höchst wahrscheinlich nicht. Die Gefahr also, dass sich so schleichend eine Enttabuisierung von rassistischen Späßen etabliert, ist also da und führte zurecht zu Kritik an dem Streifen. Mensch kann natürlich einwenden, dass ein Idiot wie „Borat“ stellvertretend für alle Rassisten steht, somit nicht nur seine Person, sondern diese Denkmuster der Lächerlichkeit preisgegeben werden sollen. Zum einen ist fragwürdig, ob bloßes Auslachen ein geeignetes Mittel im Kampf gegen Rassismus ist, zum anderen, und das wiegt schlimmer, lacht das Publikum bei „Borat“ mit. Es lacht also mit und nicht über Borat. Sollte es sich also bei Borat um den Versuch handeln, eine humoristische Speerspitze gegen Rassisten, Sexisten und Schwulenhasser zu drehen, kann mensch nur sagen: „Setzen! Sechs.“ Der Versuch, den Film als Spiegelbild der Gesellschaft zu sehen, scheitert auch. Borat, der Hauptdarsteller, bietet nicht die Spur einer Identifikationsfläche. Er ist einfach ein Volldepp mit irrem Lachen, in dessen Heimatdorf Judenjagd gespielt wird, der meint Pamela Anderson hätte den „...wunderbaren Arsch einer Siebenjährigen...“, der sich mit Wasser aus der Toilette das Gesicht wäscht und dem die Benutzung von Toilettenpapier fremd ist. Auch mit den anderen Akteuren des Films kann keine Identifikation stattfinden, zu schemenhaft sind sie gezeichnet und zu kurz ihr Auftreten. Ist „Borat“ dann doch purer antisemitischer Propagandastreifen? Die Bürgerpresse verneint dies. In der ihr eigenen Denkweise heißt es schlicht, der Hauptdarsteller und Drehbuchautor Sacha Baron Cohen sei selber Jude, also kann so einer irgendwie doch keinen rassistischen Film machen. Diese Denkweise ist dumm und selbst rassistisch, da sie Menschen per se Eigenschaften aufdrückt, die sich danach bemessen, wessen Kind mensch ist. Aber dieses Entschuldigungsmuster genügt vielen erstmal. Auf jeden Fall wird „Borat“ aller Voraussicht nach ein Kassenerfolg. Kurz nach dem Start stand er auf Platz zwei der Kinocharts. Die große Frage dabei ist, ob das am perfekten Marketing der „Borat“-Macher oder am latenten Rassismus eines Teils der Kinokundschaft, oder an beidem gleichzeitig liegt. Borat - Larry Charles - USA 2006 Quelle: FreibÄrger (2006), Nr. 53, Dezember-Januar-Ausgabe, S. 9

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