Stolz konnte die "Steuerungsgruppe Extremismus" Anfang Juli verkünden, die "Zahl der politisch motivierten Gewalttaten (sei) auf niedrigstem Niveau" und der Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge habe sich in "ein Modellgebiet der Zurückdrängung von Rechtsextremismus entwickelt". Die Sächsische Zeitung meldete kurz darauf, im sogenannten Modellgebiet mussten Königsteiner Stadträte zur Sprühdose greifen und das Logo „Die Sächsische Schweiz ist bunt“ am Schutzzaun an der B172 erneuern. Dieses war bereits das zweite Mal verunstaltet worden.
Fast keine mediale Öffentlichkeit bekamen mehrere Angriffe auf Asylsuchende im letzten Monat. Neutral gehalten veröffentlichte die Sächsische Zeitung am 4. Juli 2012 eine Polizeimeldung "Polizei sucht gefährlichen Flaschenwerfer".
Hinter dieser Meldung verbirgt sich ein Angriff auf einen Asylsuchenden in Neustadt/Langburkersdorf. Dieser wurde am frühen Abend des 23. Juni auf dem Weg zum Asylsuchendenheim von mehreren Tätern angepöbelt und mit Bierflaschen beworfen. Eine der Flaschen traf den Mann auf dem Rücken.
Der Pirnaer Wochenkurier, ein lokales Anzeigenblättchen mit einem kleinen redaktionellen Teil, berichtete am 17. Juli als Randnotiz im Artikel "Bis 2013 "Status Quo" für Asylbewerberheime" von einem Brandanschlag auf das Asylsuchendenheim in Neustadt/Langburkersdorf. Der Landrat, Michael Geisler, wird mit den Worten zitiert: „Wir werden nicht hinnehmen, dass Menschen, die sich unter den Schutz unseres Landes stellen, weil sie ihre Heimat verlassen mussten, Gewalt angedroht wird.“ Wir werden ihn beim Wort nehmen. Was wird die Verwaltung tun, um die Asylsuchenden besser zu schützen?
Ende Juli, in den Nächten vom 29. zum 30. und der darauf folgenden Nacht bedrohten Jugendliche die Asylsuchenden in Schmiedeberg. Die Jugendlichen befuhren das Gelände des Wohnheimes mit überhöhter Geschwindigkeit und grölten rassistische Parolen. Die Täter konnten gefasst werden. Die Asylsuchenden in Schmiedeberg berichten von einem Klima der Angst in dem kleinem Erzgebirgsort, in dem sie leben müssen. Ihnen werden im Ort rassistische Parolen nachgerufen, sie werden angepöbelt, bespuckt und bedroht.
Und diese Zustände sollen das Modellgebiet sein?



