Was geht uns Stuttgart an?
"Viel" könnte in einem Wort geantwortet werden. Stuttgart ist überall - Stuttgart, der Polizeieinsatz und Stuttgart, das Prestigeobjekt. Der Polizeieinsatz ist einer, der sich auf sehr vielen Demonstrationen im Jahr wiederholt. Neu ist nicht, dass Menschen zusamengeprügelt werden, dass sie mit Wasserwerfern tracktiert werden, dass sie mit CS Gas "außer Gefecht" gesetzt werden. Es sind die Bilder der Opfer, die einen Aufschrei nach sich ziehen, Bilder von Schüler_innen, Rentner_innen und Müttern. Sie trifft die geballte Wucht des Polizeieinsatzes - sie werden verprügelt, getreten und niedergesprüht. Amnesty International spricht dies scharf an. Im Bericht "Mehr Verantwortung bei der Polizei" wird die Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht der Polizeibeamten manifestiert. Bisher ist es Betroffenen von Polizeigewalt kaum möglich Täter_innen zu identifizieren.
Prestigeobjekte sind besondere Objekte. Von der Umsetzung hängt für Politiker_innen viel ab - ihr Standing in der Wirtschaft, ihre nachpolitische Zukunft, ihre persönliche Erfolgsbiografie und manchmal der Inhalt ihres Portemonnaie. Dementsprechend ungehalten werden sie, wenn es Leute gibt, die ihnen diese Prestigeobjekte nicht "gönnen" wollen. Denn solche Objekte können teuer sein, können eventuell das ein oder andere liebgewordene Fleckchen Erde ganz umwühlen oder vom unwissenden Otto-Normal-Bürger als nicht ausreichend wichtig angesehen werden. Darum ist es wichtig den Leuten zu sagen, dass ihre Meinung schon bekannt ist, schon ausgewertet ist und außerdem sowieso falsch. Wenn dann immer noch keine Ruhe gegeben wird - dann gibt es Mittel und Möglichkeiten, dass das Prestigeobjekt nicht gefährdet wird.
In Pirna fanden sich am 08.10.2010 solche ewig Nörgelnden, um sich solidarisch mit den Menschen in Stuttgart zu zeigen. Menschen, die ein solches Prestigeobjekt - "Stuttgart 21" ablehnen. 30 Personen kamen und zeigten, sowohl Stuttgart 21 als auch dem Polizeieinsatz die "rote Karte". Zum regionalen Bezug heißt es im Flyer, der mehrere hundert Mal verteilt wurde:
"Auch in Pirna und der Umgebung sind Entscheidungen gegen die Menschen nicht neu. So sollen am Schlossberg am Fuße des neuen Landratsamtes die alten Linden gefällt werden. (...) Auch das wollen wir nicht widerstandslos hinnehmen."



