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“Für junge Menschen ist es heute sehr schwer, zu begreifen, wie das alles gewesen ist. Wenn die Erinnerung nicht bleibt, dann kann sich alles wiederholen. Und je mehr man sich erinnert und weiß, desto größer die Chance, dass es sich nicht wiederholt. Der Mensch ist schlecht.”

Das Zitat ist aus einem lesenswerten Interview mit der Wochenzeitung “Die Zeit” anlässlich des 80. Jahrestags des deutschen Überfalls auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs vor wenigen Wochen.

Am 02.10.2009 verstarb mit Marek Edelmann in Polen einer der letzten Überlebenden des Aufstandes im Ghetto von Warschau.

Als Jugendlicher schloss sich Marek Edelman in Warschau der Jugendorganisation der jüdischen sozialistischen Partei Allgemejner Jidischer Arbeter-Bund in Russland, Lite un Poiln (kurz genannt Bund) an, der im Untergrund des Warschauer Ghettos vor allem wegen seiner Kontakte zur gleichfalls illegalen polnischen Sozialistischen Partei eine bedeutende Rolle spielte.

Nach der „großen Aussiedlung“ in das Vernichtungslager Treblinka vom 22. Juli bis zum 21. September 1942 begannen die Auseinandersetzungen, vor allem zwischen den jüdischen Jugendgruppen, um die Bildung bewaffneter Widerstandsorganisationen. Edelman war für den Bund an den Verhandlungen in führender Position beteiligt. Im November 1942 schlossen sich die Bundisten der Jüdischen Kampforganisation (poln. Żydowska Organizacja Bojowa oder ŻOB) an. Edelman rückte als Vertreter seiner Organisation in die zentrale Führung der Organisation auf.
Mit Beginn der Kämpfe im Ghetto im April 1943 war Edelman zunächst für die „Bürstenmacher-Zone“ verantwortlich. Dort kommandierte er die Kämpfer von fünf Widerstandsgruppen. Er gehörte zur letzten Kampfgruppe, die bis zum Ende im ŻOB-Hauptquartier aushielt. Am 10. Mai 1943 gelangte er mit den letzten überlebenden Kämpfern durch die Kanalisation in den nicht-jüdischen Teil Warschaus, wo er untertauchte. Im August 1944 kämpfte Edelman wiederum mit einer Kampfgruppe des Bund im Warschauer Aufstand.

Nach dem Krieg blieb Edelman in Polen und studierte Medizin. In dieser Zeit publizierte er mehrfach auf polnisch, jiddisch und englisch über die Kämpfe im Warschauer Ghetto und die Rolle des Bund während des Aufstands. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Kardiologe in Łódź. Seit 1976 engagierte er sich im Komitee zur Verteidigung der Arbeiter und in den 80er Jahren in der Gewerkschaft Solidarność, weswegen er auch kurzzeitig inhaftiert war. 1989 saß er für die Solidarność am Runden Tisch. Von 1989 bis 1993 war er Abgeordneter im Sejm.

1998 wurde Marek Edelman von Staatspräsident Aleksander Kwaśniewski mit dem Orden vom Weißen Adler ausgezeichnet. Im Jahr 2007 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Universität Łódź, 2008 wurde er Kommandeur der französischen Ehrenlegion. 2009 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Jagiellonen-Universität in Krakau.

Biografie: Wikipedia
Foto: Mariusz Kubik, http://www.mariuszkubik.pl

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