Vor einigen Tagen war der ehemalige Pirnaer Esra Jurmann zu Besuch in Sachsen. Der Engländer konnte leider im letzten Jahr nicht zur Vorstellung seines Buches "Vor allen Dingen war ich ein Kind" kommen, da es sein Arzt verbot. Nun nutzte er die erste Chance, um selbst über seine Erlebnisse während des Nationalsozialismus zu sprechen.
Vor rund 50 Gästen sprach Esra Jurmann am 19. März im Café Schoschana am Hasenberg 1 in Dresden. Unter den Teilnehmenden waren auch VertreterInnen des HATIKVA e.V. und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden Dr. Nora Goldenbogen. Esra Jurmann gelang mit seiner lockeren Vortragsart ein wirklich beeindruckender Abend.
"Ich habe von den Grausamkeiten und dem Schrecken nicht im Einzelnen gesprochen, weil ich es nicht will. Die Schrecken der Konzentrationslager sind gut dokumentiert. Ich wollte von der anderen Seite sprechen, die es auch gab, obwohl sie sehr oft überschattet war." heißt es in den "Erinnerungen eines jüdischen Jungen aus Pirna".
Esra Jurmann war der Junge, der am 20 Mai 1929 in Pirna geboren wurde. Und würde es dort nicht den Historiker und ehemaligen Geschichtslehrer Hugo Jensch geben, wäre das kleine Büchlein vielleicht nie erschienen. Denn Ende der 80er Jahre gerieten Dokumente in die Hände von Hugo Jensch, die er später als Aufzeichnungen Esra Jurmanns erkannte und Kontakt zu ihm suchte. Doch erst 1997 fand die erste Begegnung der Beiden statt. Es ist also nicht verwunderlich, dass gerade Hugo Jensch das Vorwort im Buch verfasst hat und zur Lesung in Dresden an der Seite Esra Jurmanns saß.
Ihm, dem Goldenbogen-Verlag und dem Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V. ist es zu verdanken, dass es nun einen Bericht über das Leben Esra Jurmanns gibt. Das Buch, welches durch einige Fotos und Dokumente bereichert wird, ist nicht nur für Pirnaerinnen und Pirnaer eine wichtige Aufzeichnung.
"Beim einzelnen liegt die große Entscheidung." sagte einmal der Dichter Erich Kästner. Mit diesen Worten schließt auch das Buch...



