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[fbÄ, mad] Unter dem Motto „Netter Opa von nebenan? Schluss mit dem Schutz für NS-Täter!“ veranstalteten AntifaschistInnen in Freiberg bereits zum zweiten Mal einen Infostand auf der Petersstraße. Anlass gab ein bundesweiter Aktionstag bezüglich der skandalösen Prozessverschleppung gegen den ehemaligen Waffen-SSler Alfred Mathias Concina (86). Concina der 2004 aufgrund seiner Beteiligung am Massaker an 560 BewohnerInnen des italienischen Dörfchens St’ Anna di Stazzema von einem italienischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, verlebt im Freiberger Altenheim „Haus Johanna Rau“ einen ruhigen Lebensabend. Neben Concina verurteilte das italienische Gericht noch 9 weitere SS-Mitglieder zu lebenslanger Haft, von denen in der Zwischenzeit zwei verstarben. Dass Concina und die anderen verbliebenen, rechtskräftig Verurteilten, noch immer nicht hinter Schloss und Riegel sitzen, liegt an Artikel 16 des Grundgesetzes: „Kein Deutscher darf an das Ausland ausgeliefert werden.“ Um Concina & Co. dennoch in den Knast zu bringen, gibt es regelmäßig bundesweite Aktionstage, an denen durch Infostände und Demonstrationen auf die skandalöse Prozessverschleppung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft aufmerksam gemacht wird. Jene Staatsanwaltschaft, deren Chef Häußler lieber Antifaschisten wegen der Herstellung und des Vertriebs von durchgestrichenen Hakenkreuzen verurteilt, ermittelt gegen Alfred Concina und andere in Italien bereits zu lebenslanger Haft verurteilte SS-Mitglieder. Nach Meinung Häußlers sei das im Juristenjargon so genannte „Mordmerkmal“ der besonderen Grausamkeit der SS-Terroraktion in St’ Anna di Stazzema noch nicht zweifelsfrei erwiesen, so dass noch keine Anklage erhoben werden könne. Zur Erinnerung: Am 12. August 1944 überfielen Angehörige der 16. Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ das kleine italienische Dörfchen St’ Anna di Stazzema, trieben alle Einwohner, die nicht rechtzeitig fliehen konnten in eine Kirche, setzten diese in Brand und erschossen jede und jeden, die (der) dem Flammentod zu entkommen versuchte. Bereits wie bei der vorangegangenen Demonstration am 22. Dezember 2005 bzw. einem Infostand am 6. Mai 2006 waren die Reaktionen der FreibergerInnen geteilt. Einige machten aus ihrer Ablehnung keinen Hehl und sahen in denjenigen, die auf faschistische Verbrechen aufmerksam machen die wahren Verbrecher: „Die Linken, das sind die Schlimmsten. Viel Schlimmer als die Rechten“. Andere forderten dazu auf „...den armen Mann endlich in Ruhe zu lassen.“ Es gab jedoch auch aufmunternde Worte bei Alt und Jung. Der ehemalige Freiberger Oberbürgermeister und Freund von Burschenschaften, Konrad Heinze (CDU), zeigte sich diesmal nicht. Beim vorangegangenen Concina-Infostand am 6. Mai 2006 ließ es sich der brave Bürger Heinze nicht nehmen, seiner Schlussstrichmentalität unverhohlen Ausdruck zu verleihen. „Ihr seid mir viel zu radikal“ verharmloste Heinze den mörderischen SS-Terror. Im Anschluss an die jetzige Infostandveranstaltung wollten die Veranstalter dem strafflüchtigen Alfred Concina einen Besuch im Altenheim abstatten. Ziel war jedoch nicht, wie vielleicht von Verharmlosungs-Heinze oder Prozessverschlepungs-Häußler gewünscht, ein Plausch über die guten alten Zeiten. Nein, Concina sollte einen Gutschein für eine Reise entweder ins italienische Milano oder nach Stuttgart erhalten. In Milano könnte er direkt seine Strafe antreten und somit Oberstaatsanwalt Häußler weitere zeitraubende und beschwerliche Ermittlungen ersparen. In Stuttgart wäre bestimmt noch eine U-Haft-Zelle frei. Einer Delegation, die Concina persönlich den Gutschein überreichen wollte, wurde jedoch der Zutritt zum städtischen Seniorenheim in Freiberg verwehrt. Eine genauso diensteifrig wie grimmig dreinschauende Altenpflege-Schwester verriegelte die Tür und verkündete, dass Concina keinen Besuch wünscht. Auf die Frage, warum die Tür verriegelt wurde, hieß es: „Damit nicht die ganze Bagage reinkommt“. Gemeint waren die etwa 20 TeilnehmerInnen des Infostandes, die auf der Straße vor dem Altenheim warteten. Auch die Entgegennahme des Gutscheins zum Zwecke der späteren Aushändigung an Concina wurde kategorisch abgelehnt. Zunächst erstmal müsse die Heimleitung verständigt werden. Unmittelbare Folge der Rücksprache mit der Heimleitung war das prompte Erscheinen eines Streifenwagens der Polizei, dessen Kommen sich mit Sirenengeheul ankündigte. Das derartige Schnelligkeit nicht selbstverständlich ist, zeigt folgender Vergleich. Im April 2000 überfielen Nazis den Freiberger Jugendtreff Pi-Haus. Die zu Hilfe gerufene Polizei benötigte 15 Minuten um von der nur 150 Meter entfernt liegenden örtlichen Polizeistation bis zum Pi-Haus zu gelangen. Angeblich musste, so die Begründung damals, erst Verstärkung herbeigeholt werden. Das war im Falle Concina nicht mehr nötig. Unmittelbar nach Eintreffen des Streifenwagens traten aus der Eingangstür des Heims ca. 13 teilweise mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten. Diese hatten offensichtlich das Altenheim über einen Hintereingang betreten. Die nunmehr von zwei Seiten eingekreiste Delegation wurde aus dem Vorraum gedrängt und ein Teilnehmer zur Löschung von Fotos aufgefordert, die den völlig überzogenen und skandalösen Polizeieinsatz dokumentieren sollten. Ein Teil der TeilnehmerInnen wurde beim Rückzug in die Stadt von der Polizei gekesselt und musste die Personalien angeben. Trotzdem und gerade deshalb: SS-Concina, wir kommen wieder! Kein Vergeben! Kein Vergessen! [Quelle: Vorabdruck FreibÄrger Nr. 54, Februar 2007]

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