Im Frühjahr 1943 fährt vom Gleis 17 des Bahnhofes Berlin-Grunewald einer der letzten Deportationszüge mit Berliner Jüd_innen nach Auschwitz. Berlin sollte danach "judenfrei" sein. Zuvor wurden schon 70.000 Berliner Jüd_innen aus der Hauptstadt deportiert. In Viehwaggons zusammengepfercht sind 688 Jüd_innen, ein Querschnitt durch die jüdische Bevölkerung: von der gutsituierten Arztfamilie über ein junges Liebespaar, vom Künstler bis zum Boxer, Akademiker oder Hilfsarbeiter, Konservativer oder Anarchist. Kleinkinder und alte Menschen. Chronologisch erzählt der Film die 6-tägige Fahrt in das Konzentrationslager Auschwitz und blendet zum besseren Verständnis der Charaktere immer wieder, mit in Sepia gehaltenen Rückblenden, in die Vergangenheit. Erzählt zum Beispiel wie sich Henry und Lea Neumann kennenlernten oder der Alleinunterhalter Jakob Noschik vor ausverkauftem Haus mit seiner Frau Erfolge feiert. Der Film zeigt mit eindringlichen Bildern die Erinnerungen einiger weniger Überlebender dieser Deportationszüge in die Vernichtungslager im Osten. Er zeigt den jüdischen Widerstand im Zug. Er zeigt nicht nur das Wegsehen, sondern auch die Unterstützung der Deportationszüge durch die deutsche Bevölkerung. Er zeigt, wie die Not der Deportierten ausgenutzt wird: Damit Reinigungskräfte einen Wasserschlauch auf die vergitterten Fenster der Viehwaggons halten, pressen die Verdurstenden Schmuckstücke durch die Ritzen der Holzwände. Der Film zeigt, dass viele wussten was mit den deportierten Jüd_innen geschah. Das machen vor allem die Dialoge zwischen den Lokführern klar. Der eine, ein Antisemit, dem das Leid der Deportierten egal ist. Der andere, durch persönliches Leid in immer mehr Widerstand gehend. Kritiken bemängeln im Film, dieser würde "ein allzu simples Bild dieser Geschichte [des Holocaust] des Dritten Reiches" darstellen. Das ist aber, aus meiner Sicht, auch nicht die Aufgabe des Filmes. Der Film zeigt die letzte Deportation Berliner Jüd_innen ins Konzentrationslager Auschwitz. Es ist in seiner leicht konsumierbaren Art ein Spielfilm und keine Dokumentation, aber unbedingt sehenswert. Deutschland / Tschechien 2006 - Regie: Joseph Vilsmaier, Dana Vávrová FSK: ab 12 - Länge: 123 min.



