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Applaus ertönt im Saal, nach dem die rund 80 BesucherInnen der Feier zum 5jährigen Bestehen des AKuBiZ e.V. den Kurzfilm zur Vereinsgeschichte gesehen haben. In Bonnewitz feierte des "Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz e.V." mit FreundInnen und Bekannten den Geburtstag. Die Gäste, die zur Veranstaltung geladen wurden, kamen aus der Sächsischen Schweiz aber auch aus Dresden, Leipzig oder Berlin. Unter ihnen waren neben Mitgliedern lokaler Initiativen auch Stadträte und der sächsische Landtagsabgeordnete Dr. Andre´ Hahn. Die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (MdB Linkspartei) war extra aus Berlin zur Feier gekommen. Musikalisch wurde das Fest durch "BANDA DILETTANTE" umrahmt, die unter anderem Klezmerstücke aber auch italienische Partisanenlieder spielten. Dazu passend gab es auch einen Film über die diesjährige "Sentieri Partigiani", an der Mitglieder des Vereins im September teilnahmen.

Nach der Eröffnungsrede des ehemaligen Vereinsvorsitzenden Lutz Richter, der einige Sätze zur Entstehung des Vereins erzählte, gab es weitere Reden von Dr. Petra Schickert (Kulturbüro Sachsen) und Gesine Lötzsch. Anschließend wurde die Ausstellung "RECHTS ROCKT SACHSEN" eröffnet. Auf den 21 Schautafeln wird die sächsische Neonaziszene beleuchtet, analysiert und Alternativen vorgestellt. Die Ausstellung wurde mit Unterstützng der ver.di-Jugend und AMAL Sachsen e.V., vom a.l.i.a.s. Dresden und dem AKuBiZ e.V. erstellt und ist über die letzteren beiden Gruppen zu buchen. Näheres demnächst auch auf deren Internetseiten und einer eigenen Präsenz. Während der ganzen Zeit gab es Essen, dass zu Teilen AsylbewerberInnen aus Dresden abgekauft wurde, um so die Kampagne "... und wer kontrolliert ihren Einkauf?" zu unterstützen. Neben leckeren Kuchen waren vor allem die selbstgemachten vegetarische Aufstriche der Renner. Wir bedanken uns noch einmal bei allen AntifaschistInnen, Gäste und FreundInnen des Vereins für ihr Erscheinen und hoffen auch weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit. Weiterhin bedanken wir uns für die vielen Geschenke und Grußbotschaften, auch derer, die nicht kommen konnten. Euer AKuBiZ e.V

Reden zum Vereinsfest:

von Lutz Richter (ehemaliger Vereinsvorsitzender): "Liebe Antifaschistinnen, Liebe Antifaschisten, Liebe Freundinnen und Freunde unseres Vereins, wir haben uns nach fünf Jahren Vereinsarbeit zusammengefunden, um in Form einer kleinen Feier, Danke an all Diejenigen zu sagen, die uns während dieser Zeit unterstützt, geholfen und gefördert haben, Dank in die Leute die mit uns in den verschiedensten Projekten zusammengearbeitet haben. So ein Tag ist eine Gelegenheit, nicht nur um gemeinsam anzustoßen, auf die nächsten fünf Jahre, sondern um die letzten Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen. Ich möchte dies in wenigen Sätzen tun. Wir haben uns 2001 unter dem Namen „Alternatives Jugend- und Kulturzentrum Sächsische Schweiz e.V.“ am Amtsgericht Pirna eintragen lassen. Bis es dazu kam, gab es eine Zeit, in der wir als Initiative um ein alternatives Jugendzentrum gekämpft haben. Mit dem Ende der „Etage“, dem damaligen Jugendzentrum, damals noch in der Caritas auf dem Dohnaischen Platz in Pirna, war es für uns immens wichtig einen neuen Treff aufzubauen. Das ist auch für mich persönlich nach wie vor der Punkt, den wir anstreben. Es war im übrigen auch der Grundkonsens des damaligen Vereins, dass nur mit geschützten Räumen und einem selbstverwalteten Jugendhaus ein Gegenpol zur allgegenwärtigen rechten Jugendkultur gebildet werden kann. Leider sind wir bis heute an dem Punkt nicht wirklich weitergekommen. Wir haben dann in der Folgezeit den Verein immer mehr zu einem kulturellem und jugendpolitischen Bildungsprojekt aufgebaut. In den letzten Jahren haben wir mehrere Jugendbegegnungen organisiert, bzw. daran teilgenommen. Wir organisierten Ausstellungen, Vortragsveranstaltungen, Lesungen, Konzerte, Parties, also Gegenkultur. Stellvertretend will ich mal drei Dinge nennen. Im Januar 2004 waren wir zu Gast im polnischen Ort Walim. Mit der dortigen Gruppe Ecoeurowies führten wir eine Geschichtswerkstatt durch. Dies beinhaltete mehrere Besichtigungen zum einen die der ehemaligen Konzentrationslager Groß-Rosen und Auschwitz, zum anderen die des sogenannten „Führersitzes für die Osterweiterung“ Schloss Fürstenstein aber auch der unterirdischen Tunnelanlagen, welche KZ-InsassInnen in den Berg schlagen mussten. Anfang 2005 startete dann die Kampagne „Aufmucken gegen Rechts“. In der Sächsischen Schweiz übernahm unser Verein die Trägerschaft des Projektes. Wir verteilten über 2000 CD´s als Gegenpol zur sogenannten „Schulhof-CD“ der Freien Kameradschaften. Auftakt der Aktion war damals ein Konzert im Pirnaer Jugendhaus Hanno mit 350 BesucherInnen. Und für dieses Jahr möchte ich die Ausstellung, die Ihr hier seht benennen. Dazu will ich nicht soviel sagen, denn Ihr könnt sie ja live anschauen. Wenn ich vorhin von Gegenkultur gesprochen habe, dann ist natürlich klar, dass es auch einen Mainstream geben muss, gegen den wir eben Kultur organisieren, und damit sind wir beim Thema: NAZIS. Natürlich haben wir bei der Vereinsgründung immer Wert darauf gelegt, dass unser Projekt strikt Antifaschistisch ist. Unser Ziel ist es die Nazis zurückzudrängen. Und in der Sächsischen Schweiz gibt es mehr als genug davon. Und alle wie wir hier sind, haben wir mehr oder weniger mit dem Thema zu tun, die meisten wohl eher mehr. Ihr wisst, dass diese Region eine der Nazihochburgen in Sachsen, vielleicht sogar der gesamten BRD ist. In einigen Orten erreichten die Nazis der NPD nicht nur zweistellige Ergebnisse, sondern sogar Ergebnisse mit einer Zwei vorn. Im Fall von Reinhardtsdorf-Schöna gab bei den Landtagswahlen 2004 jede oder jeder Vierte dieser Partei seine Stimme. An der Stelle möchte ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass wir es damit nicht mehr mit einem Jugendproblem zu tun haben, wie das in der Öffentlichkeit gern dargestellt wird. Es ist eine Frage von politischem Klima, mit dem wir es hier zu tun haben. Ein Klima also, in dem eine Gruppe wie die „Skinheads Sächsische Schweiz“ als Teil der Gemeinschaft agieren konnte. Also ich möchte das noch mal hervorheben, die SSS war nicht gesellschaftlich geächtet! Im Gegenteil ich will auch ein Beispiel nennen. In Hinterhermsdorf bei Sebnitz traf eine Gruppe von jungen Menschen im Punkeroutfit ein. Schon beim Betreten der Anlage kamen mehrere Bürger entgegen und machten die Punker darauf aufmerksam, dass sie bitte wieder gehen sollen. Begründung: die Anwesenheit der „Auffälligen“ Leute könnte die Dorfjugend provozieren, dies sei nicht gewollt und deshalb wäre es wohl am Besten, wieder zu verschwinden. Es ist daraus abzuleiten, dass nicht die Menschen das Problem sind, die aggressiv auf „anders“ reagieren, sondern, die Menschen die eben nicht in deren Weltbild passen. Ich könnte mehr Beispiele nennen. Wir erinnern uns alle an das Schild in der ehemaligen Drogerie „Sonneneck“ wo sogenannten „Ausländern“ nicht erlaubt wurde sich frei in dem Geschäft zu bewegen. Dazu braucht es keine Nazis ... Doch nun steht die Frage, was können wir nun tun? Es kann nicht reichen, Ausstellungen, Referate, Lesungen und Diskussionsrunden zu organisieren. Es kann auch nicht reichen, an Demos und Kundgebungen teilzunehmen oder sie zu organisieren. Und es wird auch nicht reichen in Jugendhaus zu organisieren. Aber, ich halte einen Mix von alldem für wichtig und darum werden wir dafür immer ein Ansprechpartner oder Organisator sein. Wir werden uns dabei auch immer das Recht herausnehmen Dinge, die uns nicht passen zu kritisieren. Das ist im übrigen auch der Komfort der Unabhängigkeit. Wir erhalten keine Förderung aus Stadt und Landkreis und, wenn ich das richtig sehe, wollen wir das auch nicht. Wir haben auch keine hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Das macht es nicht immer leicht alles zu organisieren, aber wie gesagt, ich behaupte mal, wir mussten uns nie verbiegen. Wir konnten uns immer so entscheiden, wie wir es für richtig hielten. Es war auch nicht besonders leicht in Pirna, als wir uns entschlossen hatten die Demonstration „Schöner leben ohne Naziläden“ am 27.11.04 zu unterstützen. Ihr habt die ganzen Anfeindungen und zwar nicht nur die von Seiten der Nazis mitbekommen. Die gibt es ja immer. Aber wir wissen ja, wo es her kommt. Zum Beispiel von einer CDU, die sich als politischen Berater den sogenannten Politikwissenschaftler Eckhardt Jesse heranzieht. Dieser ordnete das politische Spektrum in der Bundesrepublik in Form eines Hufeisens an. Demnach stünden sich die politischen Ränder als die sogenannten Rechtsextremisten und Linksextremisten näher, als sie es zur sogenannten politischen Mitte tun. Maßstab ist dabei immer das Verhältnis zum Grundgesetz. Diese Theorie, also die „Totalitarismustheorie“ vernachlässigt aber die Ideologie die hinter dem Nazismus steht völlig. Für uns heißt es deshalb Nazis sollen auch Nazis genannt werden, denn nichts anderes sind sie. Und, genauso wichtig, wir bekämpfen politische Themen wie Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, und die kommen nun mal nicht nur bei Nazis vor. Wir erinnern uns an die Möllemanns und Hohmanns und Kochs und Stoibers ... Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, liebe Gäste, Liebe Freundinnen und Freunde, ich danke nochmals im Namen des Vereins für euer Kommen. Wir freuen uns darüber, dass so viele Leute denn Weg zu uns gefunden haben .... Ich eröffne nun also unsere Feier, wünsche Euch auch guten Appetit und viel Spaß und wünsche uns, dass wir uns vielleicht auch in den kommenden Jahren wieder in so einem oder einem ähnlichen Rahmen treffen, auch und besonders über den Arbeitsrahmen hinaus. Vielen Dank an Euch, danke für die Aufmerksamkeit ... schönes Fest und gute Gespräche."

Gesine Lötzsch (MdB, Linksfraktion): "Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, Gesicht zeigen in der Sächsischen Schweiz! Wir Berliner sind als Großstädter privilegiert. Wir können vieles tun, ohne dass unsere Nachbarn immer alles über uns wissen. Wir können demonstrieren, uns an Aktionen beteiligen, ohne dass es immer jeder weiß. Wenn man in einer sächsischen Kleinstadt wie Pirna lebt, ist das völlig anders. Alle wissen, wer Gesicht gegen Nazis zeigt. Mancher, der gern dabei wäre, traut sich nicht, weil er nicht weiß, wem sein Nachbar das erzählt. - Weil mir das alles klar ist, bin ich am Sonntag gern nach Bonnewitz bei Pirna gefahren, um zum fünften Geburtstag des Alternativen Kultur- und Bildungszentrums e. V. zu gratulieren. Ein Mitglied des Vereins, Steffen, war mit uns im Frühjahr auf der Bella-Ciao-Bildungsreise in der Reggio Emilia. In verschiedenen Veranstaltungen hat er darüber berichtet und Mitglieder des Vereins haben im September an der "Sentieri Partigiani" des Istoreco in Reggio Emilia teilgenommen. Ich bin mir sicher, dass sich Jugendliche aus Pirna auch am Wettbwerb für unsere antifaschistische Spanienreise im Jahr 2007 beteiligen werden. ..."

Frank Carstens (a.l.i.a.s. dresden): Hallo liebe Leute, ich habe nun die schöne Aufgabe, einige Worte zu sagen. Ich freue mich dabei nicht allein darüber dass heute die Ausstellung „Rechts Rockt Sachsen“ das erste Mal zu sehen ist. Sondern auch über den Anlass, dass mit dem Akubiz heute antifaschistische Menschen aus der Sächsischen Schweiz das 5. Jubiläum ihrer Arbeit feiern können. Diese Ausstellung in den letzten Wochen mit Unterstützung der Verdi Jugend und AMAL erstellt. Und bitten da gleichzeitig über einige Anfängerfehler in der "Präsentationsbranche" hinwegzusehen. Inhaltlich informiert die Ausstellung über aktuelle Tendenzen in der schnelllebig sich verändernden neonazistischen Jugendkultur in Sachsen. Sachsen nimmt hier eine Vorreiterstellung ein. Was nicht bedeutet dass es anderswo besser oder schlechter wäre. Vielmehr kann die Ausstellung auch als Momentaufnahme von Teilen der deutschen Jugend verstanden werden. Hervorheben möchte ich zwei Aspekte, die uns wichtig sind, warum wir diese Ausstellung machten. Wir wollen zeigen, dass sich, egal in welchem Kleid heutige Neonazis daherkommen, hinter der Fassade zumeist ein kaum verhohlener Nationalsozialismus verbirgt und Bahn bricht. Und wir wollen ermutigen, den Kampf gegen Neonazismus zu führen. Dazu möchte ich etwas weiter ausholen: In diesen Tagen ist Rechtsextremismus in aller Munde. Im September zog die NPD in einen zweiten Landtag in MV ein, die Debatte um die finanzielle und inhaltliche Förderung von Projekten gegen rechts wird intensiv geführt, und selbst "Bürgerwehren" und "Demokratiegipfel" stehen zur Debatte und Opferberatungsstellen sprechen währenddessen von der notwendigen Notwehr in no-go-areas. Wo stehen wir denn in Deutschland über 60 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus? Ich meine, wenn im brandenburger Protzlow ein Jugendlicher bestialisch zu Tode gequält wird, nur weil er "anders" sei und als "anders" wahrgenommen wird. Wenn in der sachsen-anhaltinischen Provinz ein Schüler zum Tragen eines antisemitischen Plakates in SA-Manier gezwungen wird. Wenn im westsächsischen Triebel eine Zirkusfamilie von Teilen der ortsansässigen Bevölkerung terrorisiert wird, weil sie "anders", weil sie "Zigeuner" seien. Und wenn "du Jude" zum abwertenden Sprachgebrauch ganzer Schulklassen und Jugendcliquen zählt. Dann frage ich mich, kann man das noch "Rechtsextremismus" heißen. Verharmlost das nicht beinahe schon das, was wir erleben? Diese Menschen wissen was sie tun und sie tun es bewusst. Für mich ist das vielerorts ein neuer Nationalsozialismus, der sich Bahn bricht. Und dem gilt es auch entschiedener entgegen zu treten. Schöne Worte und Diskussionen sind da nur die halbe Wahrheit. Aktiv und persönlich müssen wir da stehen, wo Neonazis stehen wollen, dort ihr Treiben stören und unterbinden, wo sie sich ungestört wähnen. Wir müssen uns dabei aber auch selbstkritisch fragen, ist das alles des Möglichen, was wir tun oder haben wir noch mehr Spielraum? Können wir noch aktiver, noch konkreter, noch direkter den Neonazis Einhalt gebieten? Ich denke, hier haben wir noch Spielraum. Wir müssen unseren Blick schärfen und aktiv sein. Und wir müssen unsere Wut in Widerstand verwandeln. Es treibt uns die Wut in die Glieder, wenn wir Dresdner Neonazis mit einem Transparent mit der Aufschrift „Wahrheit macht frei“ die Opfer des KZ Buchenwald verhöhnen sehen und es treibt uns die Wut in die Glieder, wenn wir in diesen Tagen an Waltraud Scheffler denken, deren Todestag sich am 24. Oktober zum 14 Mal jährt. Sie, eine 44jährige Aushilfskellnerin, hatte den Mut in einer Dorfdisco bei Hoyerswerda sich angreifenden Neonazis in den Weg zu stellen und wurde von ihnen totgeschlagen. Und diese Wut und diese Angst und Ohnmacht, die wir spüren, muss uns immer wieder den Mut und die Kraft geben zu kämpfen. Das sind wir auch jenen schuldig, denen die neuen Nazis heute tagtäglich ihr Recht auf eigene Kleidung und Frisuren, ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freizügigkeit, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und im schlimmsten Fall ihr Recht auf Leben streitig machen. Und wir vom alias Dresden sind froh, dabei nicht allein zu stehen, sondern gemeinsam mit vielen, wie den GenossInnen des Akubiz diesen Kampf zu führen. Und so freue ich mich heute mit der Ausstellung einen Teil unserer Zusammenarbeit präsentieren zu können und hoffe dass wir noch lange gemeinsam gute und schlechte Erlebnisse teilen werden und dabei nie die Hoffnung verlieren mögen, eines Tages eine bessere, eine solidarischere Welt zu erleben, in der alle Menschen so leben können, wie sie möchten. Venceremo-wir werden siegen, wir müssen siegen!

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