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Rückblick auf das Wanderseminar 2014"Es ist nun also auch unsere Aufgabe, den vielen Gedenktagen Bedeutung zurück zu geben und sie nicht in stoischer Tradition inhaltsleer zu begehen." Mit diesen Worten wandte sich unser Vereinsvorsitzender Steffen Richter an die Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung, die am 08. Mai auf dem Ehrenfriedhof in Pirna-Rottwerndorf stattfand. Dort wurden in acht Sammelgräbern fast 200 Menschen aus der UdSSR beerdigt.

Einen Tag später trafen die Teilnehmer_innen der 8. Rote-Bergsteiger-Wanderung ein. Das Seminar wird seit 2008 jährlich von unserem Verein durchgeführt. In diesem Jahr standen neben dem Widerstand aus dem Bergsportmilieu die Euthanasieverbrechen im Mittelpunkt des Wochenendes. Auch deshalb startete der erste Abend mit einem Einführungsvortrag zum Thema.

Am Samstag konnten wir bei gutem Wetter die Idylle des Wesenitz-Grund genießen, der bis zur Försterei-Brücke in Lohmen gelaufen wurde. Unterwegs gab es Informationen am Denkmal des antisemitischen Komponisten Richard Wagner. Im speziellen machten wir die Teilnehmenden auf das Fehlen kritischer Auseinandersetzungen aufmerksam. In seinem Aufsatz "Das Judentum in der Musik" machte Wagner seinen Hass deutlich. Darin heißt "Als durchaus fremdartig und unangenehm fällt unsrem Ohre zunächst ein zischender, schrillender, summsender und murksender Lautausdruck der jüdischen Sprechweise auf..."(1)

 

Weiter ging es vorbei am Mühlsdorfer Koordinatenstein, dem Antoniuskreuz und Liebethal nach Bonnewitz. Am ehemaligen "Institut für seelenpflegebedürftige Kinder" wurde die Geschichte der Einrichtung vorgestellt. Sie wird als "eine von wenigen Oasen der Menschlichkeit" bezeichnet. Im Sommer 1941 verhaftete die Gestapo den Leiter Martin Kretschmer - er starb im KZ Außenlager Klinkerwerk bei Oranienburg.(2) Von dort führte unser Weg weiter über Graupa und endete in Pirna-Jessen.

Zum Abendvortrag hatten wir den Bergsporthistoriker Joachim Schindler eingeladen, der über den Widerstand aus dem Bergsportmilieu berichtete. Im Speziellen stellte er die Biografie der jüdischen Bergsteigerin Ilse Frischmann vor. Die Auschwitz-Überlebende starb im Alter von 86 Jahren am 05. Juli 2009 in Dresden. Der Abend endete mit Liedern des Widerstands.

Am Sonntag liefen wir, vorbei an Plätzen von Auseinandersetzungen zwischen Kommunistischer Jugend und Nazis, zur Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Dort begrüßte uns Agnes Scharnetzky, die uns als Freie Mitarbeiterin durch die Räume führte. In der ehemaligen Euthanasie-Anstalt wurden von Sommer 1940 bis Sommer 1941 über 14.000 Menschen ermordet. Zu den bekanntesten Opfern zählte die Dresdener Malerin Elfriede Lohse-Wächtler.

Den Abschluss bildete ein Treffen in der K2-Kulturkiste. Wir möchten uns hiermit noch einmal bei allen Teilnehmenden bedanken, die mit uns dieses Wochenende verbracht haben. Außerdem bedanken wir uns für das lecker Essen und bei allen, ohne die unser Wanderseminar nicht möglich gewesen wäre: Agnes Scharnetzky, Joachim Schindler und Hakan Bylund.  

(1) - Fischer, Malte Jens: Richard Wagners "Das Judentum in der Musik". Frankfurt a.M. 2000 (S.150)  
(2) - Richter, Steffen (AKuBiZ): Martin Kretschmer. Pirna 2012


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